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Studien und Statistiken

Auf dieser Seite

#aus Forschung und Verwaltung

Deutschland bewertet Glücksspiel nicht mit einer einzigen Kennzahl. Behörden, Hochschulen und Suchthilfeeinrichtungen untersuchen Marktvolumen, Teilnahme, Risiken und Aufsicht getrennt. Diese Studien und Statistiken ergänzen sich, weil jede Erhebung eine andere Frage beantwortet. Für belastbare Aussagen müssen Zeitraum, Grundgesamtheit und Methode zusammenpassen.

#1. Publikationen der GGL

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder veröffentlicht Tätigkeitsberichte, Broschüren und Marktdaten. Ihre Zuständigkeit betrifft vor allem länderübergreifende Angebote und Glücksspiel im Internet. Seit 2023 bündelt die Behörde viele Aufgaben, die zuvor mehrere Länderstellen wahrnahmen. Der GlüStV 2021 verpflichtet sie außerdem zur Marktbeobachtung und Forschungsförderung nach § 27e.

Die Veröffentlichungen richten sich an Spielende, Anbieter, Politik und Wissenschaft. Sie erklären Erlaubnisverfahren, Aufsichtssysteme und Maßnahmen gegen unerlaubte Angebote. Eine Publikation ersetzt jedoch keinen Erlaubnisbescheid. Ob ein konkretes Angebot legal ist, zeigt die amtliche Whitelist mit dem zugelassenen Anbieter und seinen Domains.

#2. Jahresreports der Glücksspielaufsichtsbehörden der Länder

Seit 2014 dokumentieren die Glücksspielaufsichten den deutschen Markt in Jahresreports. Die Berichte trennen erlaubte und unerlaubte Segmente und ordnen deren wirtschaftliche Größen ein. Bis Ende 2022 lag die gemeinsame Geschäftsstelle beim Hessischen Innenministerium. Seit Januar 2023 arbeitet sie innerhalb der GGL in Halle an der Saale.

Die Zeitreihe hilft bei Vergleichen über mehrere Jahre. Dabei unterscheiden sich Spieleinsatz und Bruttospielertrag. Der Einsatz erfasst gesetzte Beträge, während der Bruttospielertrag Einsätze abzüglich ausgezahlter Gewinne abbildet. Wer Marktanteile vergleicht, muss deshalb dieselbe Kennzahl und denselben Zeitraum verwenden.

#3. Forschungsaufträge der GGL

Eigene Aufsichtsdaten beantworten nicht jede Regulierungsfrage. Deshalb vergibt die GGL Forschungsaufträge und lässt Methoden extern prüfen. Diese Glücksspielforschung unterstützt die Evaluierung des Staatsvertrags. Begleitgruppen aus Wissenschaft und Verwaltung diskutieren Studiendesign, Messgrenzen und die Einordnung der Ergebnisse.

#Spielerschutz im Internet: Evaluation der Maßnahmen des Glücksspielstaatsvertrages 2021

Die Universität Bremen erhielt den dreijährigen Auftrag im Juli 2023. Untersucht werden technische Vorgaben und produktbezogene Schutzmaßnahmen. Dazu zählen Spielkonten, Limits, Sperren, Früherkennung und zentrale Aufsichtssysteme. Die Studie zu Spielerschutz im Internet prüft positive und negative Effekte für Spielende. Sie soll außerdem zeigen, welche Regeln funktionieren und wo Anpassungsbedarf besteht.

Für Betreiber ist diese Unterscheidung wichtig. Eine formal eingerichtete Schutzfunktion beweist noch keine Wirkung. Forschung muss klären, ob Nutzer das Instrument verstehen und rechtzeitig einsetzen. Auch mögliche Ausweichbewegungen zu unerlaubten Angeboten gehören zur Bewertung der Regulierung.

#Glücksspielwerbung im Fernsehen und im Internet im Spannungsfeld von Kanalisierung und Suchtprävention

Die GGL vergab das Vorhaben im Dezember 2023 an eye square in Berlin. Es untersucht die Wirkung von Werbung im Fernsehen und Internet. Maßstab ist § 5 GlüStV 2021. Die Forschung zu Glücksspielwerbung betrachtet zwei Ziele. Werbung soll legale Angebote erkennbar machen, darf aber Unbeteiligte und gefährdete Personen nicht zum Spielen anregen.

Diese Abwägung lässt sich nicht allein über Werbevolumen lösen. Entscheidend sind Inhalt, Platzierung, Zielgruppe und Reaktion. Ein wenig bekannter Punkt betrifft die Kanalisierung. Sichtbarkeit kann zum legalen Markt führen, gleichzeitig aber die gesamte Nachfrage erhöhen. Die Wirkungsevaluation muss beide Effekte getrennt messen.

#Untersuchung des Schwarzmarktes und der Kanalisierung von Glücksspielen im Internet anhand einer Befragung von Glücksspielenden

Das Blockchain Research Lab in Hamburg übernahm den Auftrag im ersten Quartal 2024. Der Endbericht erschien 2026. Die Untersuchung prüft, wie sich der Schwarzmarkt im Onlineglücksspiel messen lässt. Eine einfache Zählung von Websites reicht nicht aus, weil Besuche, Einsätze und Verluste verschiedene Marktgrößen beschreiben.

Das Forschungsvorhaben verband zwei Arbeitsschritte, damit die Methode vor der eigentlichen Schätzung geprüft werden konnte.

  • Der theoretische Teil vergleicht bekannte und neue Ansätze zur Messung nicht lizenzierter Angebote.
  • Der empirische Teil untersucht Anbieterwahl, Spielverhalten und Kanalisierung anhand einer Befragung.

Von 2.000 Befragten gingen 1.992 Fälle in die Spielergruppenanalyse ein. Rund 67,2 Prozent nutzten nur lizenzierte Anbieter. Etwa 16,4 Prozent spielten in beiden Marktbereichen. Weitere 16,5 Prozent nannten ausschließlich nicht lizenzierte Angebote. Diese Werte beschreiben Personen und dürfen nicht direkt als Umsatzanteile gelesen werden.

#4. Weitere Publikationen / Studien / Statistiken aus Forschung und Verwaltung

Neben Auftragsstudien liefern Bevölkerungsbefragungen, Suchthilfedaten und Fachartikel weitere Perspektiven. Die Datensätze unterscheiden sich nach Zielgruppe und Erhebung. Gemeinsam zeigen sie, wo Marktbeobachtung endet und Gesundheitsforschung beginnt. Bei regionalen Vergleichen sollten zudem Bundesland, Angebotsstruktur und Zugang zu Beratung berücksichtigt werden.

#Glücksspiel-Survey

Der Survey erfasst das Glücksspielverhalten der Bevölkerung seit 2007. ISD Hamburg und Universität Bremen verantworteten die Erhebungen 2021, 2023 und 2025. Der Glücksspiel Survey 2025 umfasst 12.340 vollständige Interviews. Davon erfolgten 64,9 Prozent telefonisch und 35,1 Prozent online. Der Erhebungszeitraum lief vom 4. August bis 26. November 2025.

Vier Kennzahlen zeigen die Reichweite und die gesundheitliche Einordnung der Befragung.

  • 36,4 Prozent nahmen innerhalb von zwölf Monaten an mindestens einem Glücksspiel um Geld teil.
  • 7,5 Prozent spielten mindestens eine als riskant eingeordnete Glücksspielform.
  • 5,5 Prozent erfüllten ein bis drei Kriterien des DSM-5 für riskantes Spielverhalten.
  • 2,2 Prozent erfüllten die Kriterien einer glücksspielbezogenen Störung.

Seit 2021 kombiniert die Erhebung Telefon- und Online-Panels. Außerdem nutzt sie DSM-5 statt des früheren Instruments. Ergebnisse ab 2021 lassen sich daher nur eingeschränkt mit älteren Surveys vergleichen. Innerhalb der methodisch gleichen Wellen 2021, 2023 und 2025 sind Vergleiche dagegen besser möglich.

#Glücksspielatlas

Der Glücksspielatlas Deutschland 2023 bündelt Marktdaten, Teilnahmequoten und gesundheitliche Folgen. Beteiligt waren der Sucht- und Drogenbeauftragte des Bundes, das ISD, die DHS und die Universität Bremen. Der Atlas erklärt außerdem erwartete Wirkungen zentraler Schutzregeln. Dazu gehören Limits, Sperren und Vorgaben für Werbung.

Sein Nutzen liegt in der gemeinsamen Darstellung verschiedener Datenarten. Marktvolumen sagt wenig über individuelle Belastung. Behandlungszahlen zeigen dagegen nur Personen, die Hilfen erreichen. Der Atlas verbindet beide Ebenen, ohne sie gleichzusetzen. Diese Trennung verhindert falsche Schlussfolgerungen über Häufigkeit und Schwere von Problemen.

#Studien und Fachartikel

Fachartikel vertiefen einzelne Fragen, die große Marktberichte nur anreißen. Zwei ältere Arbeiten bleiben für die Einordnung der heutigen Regeln relevant.

  • Eine systematische Literaturanalyse aus Bremen untersucht das Gefährdungspotenzial von Online-Glücksspielen.
  • Ein Review bewertet Maßnahmen des Spieler- und Jugendschutzes anhand veröffentlichter Evidenz.

Solche Reviews sammeln nicht nur positive Befunde. Sie zeigen auch Forschungslücken, uneinheitliche Definitionen und kurze Beobachtungszeiträume. Für Regulierungsentscheidungen ist diese Unsicherheit wichtig. Eine Maßnahme kann plausibel sein, obwohl ihre Langzeitwirkung noch nicht abschließend gemessen wurde.

#Deutsche Suchthilfestatistik

Die Deutsche Suchthilfestatistik dokumentiert ambulante und stationäre Einrichtungen. Sie erfasst Struktur, Leistungen sowie Merkmale behandelter Personen. Das Institut für Therapieforschung wertet die Daten bundesweit aus. Die Statistik bildet jedoch nicht alle Menschen mit Problemen ab. Sie zeigt vor allem jene Fälle, die das Hilfesystem tatsächlich erreichen.

Regionale Unterschiede können mehrere Ursachen haben. Dazu zählen Versorgungsdichte, Meldepraxis und Zugang zu Beratung. Eine höhere Fallzahl bedeutet deshalb nicht automatisch eine höhere Verbreitung. Für lokale Planung sind Behandlungsdaten dennoch wertvoll, weil sie konkrete Bedarfe in Einrichtungen sichtbar machen.

#Hilfe für Betroffene

Wer Kontrolle, Geld oder Alltag durch Glücksspiel verliert, sollte früh Unterstützung nutzen. Geeignete Angebote unterscheiden zwischen Beratung, Therapie und Sperre. Folgende Anlaufstellen helfen bei der ersten Orientierung.

  • Das Suchthilfeverzeichnis der DHS nennt ambulante und stationäre Angebote nach Region.
  • Die kostenfreie Telefonberatung zur Glücksspielsucht ist unter 0800 1 37 27 00 erreichbar.

Auch Angehörige können sich beraten lassen. In akuten finanziellen Krisen sollte zusätzlich eine anerkannte Schuldnerberatung einbezogen werden.

#Häufig gestellte Fragen

#Warum unterscheiden sich Studien zum Glücksspielmarkt?

Studien messen unterschiedliche Größen und Personengruppen. Manche erfassen Einsätze, andere Verluste, Websitebesuche oder Störungen. Auch Telefon und Online Befragungen erreichen verschiedene Gruppen. Deshalb müssen Definition, Zeitraum und Stichprobe vor jedem Vergleich geprüft werden.

#Welche Rechtsgrundlage gilt für die Forschung der GGL?

§ 27e GlüStV 2021 weist der GGL Marktbeobachtung und Forschungsförderung zu. Die Behörde kann Studien beauftragen und Ergebnisse für die Evaluation nutzen. Das entbindet Forschende nicht von wissenschaftlichen Standards und Datenschutzpflichten.

#Was sagt die Whitelist aus?

Die Whitelist nennt erlaubte Veranstalter und Vermittler mit genehmigten Angeboten. Sie ist für die rechtliche Einordnung wichtiger als Werbung oder ein ausländisches Lizenzlogo. Entscheidend ist, ob Anbieter und genutzte Domain zur deutschen Erlaubnis passen.

#Sind Befragungsdaten mit Umsatzdaten vergleichbar?

Nein. Befragungen beschreiben Selbstauskünfte von Personen. Umsatzdaten beruhen auf finanziellen Meldungen oder Steuerdaten. Beide Perspektiven können zusammengehören, messen aber nicht dasselbe. Marktanteile sollten deshalb nicht aus Teilnehmeranteilen abgeleitet werden.

#Offizielle Quellen und Dokumente

Die folgenden Stellen und Dokumente ermöglichen eine Prüfung der genannten Regeln, Zahlen und Berichtsreihen.

Für rechtliche Entscheidungen gilt stets die aktuelle Fassung des Gesetzes oder des jeweiligen Bescheids.